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Georg Kaiser, welches Produkt kann neben etablierten Marken bestehen?

Georg Kaiser, welches Produkt kann neben etablierten Marken bestehen?

THEMA ÜBER FALLSTRICKE UND HILFSLINIEN FÜR STARTUPS IN DER LEBENSMITTELBRANCHE SPRECHEN WIR MIT GEORG KAISER, GESCHÄFTSFÜHRER DER BIO COMPANY, IN EINEM INTERESSANTEN INTERVIEW.

In welchen Bereichen ist die BIO COMPANY in die Förderung und Entwicklung von Gründern und Startups beteiligt?
GK: Seit Gründung der BIO COMPANY arbeiten wir mitkleineren und mittleren Betrieben zusammen. Gemeinsam ausgearbeitete Lieferverträge sind da schon eine hilfreiche Perspektive, gerade für kleine Unternehmen. In diesem Zusammenhang beraten wir natürlich auch, welche Produkte Chancen im Sortiment haben können und wie sie präsentiert werden sollten. Gelegentlich haben wir auch schon bei der Umstellung von konventioneller auf biozertizierte Ware geholfen, um sie überhaupt in der BIO COMPANY listen zu können. In der Zusammenarbeit kommen ganz unterschiedliche Fragen, den Austausch erleben wir als sehr fruchtbar. Deswegen haben wir uns auch gefreut, in der Jury beim StartupWettbewerb der Next Organic mit dabei zu sein. Die Nachfrage nach regionalen Lebensmitteln steigt rasant.

Welche Herausforderungen haben junge GründerInnen in der Landwirtschaft / Erzeugung?
GK: Im Raum Brandenburg werden die Möglichkeiten, freie Flächen für die landwirtschaftliche Erzeugung zu erwerben, immer schmaler, zumal die Bodenpreise steigen und die Verfügbarkeit sinkt. Es gibt aber auch immer wieder Beispiele, wo bisherige Eigentümer ihre Flächen an Junglandwirte abgeben und ihnen damit eine Chance geben. Eine weitere Herausforderung ist sicher ein gewisses Maß an Professionalität und organisatorischem Talent, auch was die Logistik und Belieferung betrifft. Eine Herausforderung beim verarbeitenden Gewerbe besteht auch in hohen Investitionen, an denen Projekte schon im Keim scheitern können. Insbesondere für regionale Projekte zeigt sich BC aber gerne als Ansprechpartner. Zusammen mit anderen Marktteilnehmern und Partnern können die Ideen dann mitunter doch weiter geplant und verwirklicht werden.

Welche Förderungen seitens der Politik wären wünschenswert in Bezug auf die Regionale Wertschöpfung?
GK: Jungbauern müssen wieder stärker eine Chance erhalten. BioLandwirte integrieren bereits heute durch ihre nachhaltige Wirtschaftsweise Kosten für Umwelt und nachfolgende Generationen. Die konventionelle Landwirtschaft tut dies nicht, gleichzeitig erhält sie mehr Flächen, auch durch die BVVG, die Flächen an jene verkauft, die am meisten bieten. Diese Ungleichgewichte sollten politisch ausgeglichen werden, beispielsweise durch eine Sondersteuer auf Pestizide oder synthetische Dünger. Ebenso sollte die Biolebensmittelwirtschaft stärker gefördert werden. So entstehen nicht nur gerechte Preise für unsere Nahrungsmittel. Auch das dörfliche Gemeinschaftsleben und bäuerliche Strukturen können erhalten bleiben.

Was muss ein Produkt mitbringen, um in der BIO COMPANY gelistet zu werden? Welche Voraussetzungen sind besonders wichtig?
GK: Es muss einen Bedarf seitens der Kunden geben und eine BioZertifizierung sollte vorliegen oder zum Verkaufstermin realisiert sein. Entweder sollte das Produkt eine Nische treffen, die wir noch schließen möchten, oder aber eine Sparte betreffen, bei der wir sehr gut noch mehr Ware gebrauchen könnten. Dies kann auch ganz klassische Ware sein, beispielsweise wünschen wir uns derzeit noch mehr Anbieter von regionalen Birnen. Vor allem bei TrendThemen wie z.B. Vegan, Raw Food und Paleo gibt es viele Gründer.

Wie werden Trends beobachtet und wie wird die Nachfrage analysiert?
GK: Wir sind auf allen einschlägigen kleineren und größeren Messen unterwegs, scouten aber auch mal außer der Reihe. Vieles läuft auch über persönliches Networking. Hin und wieder fahren wir ins Ausland und schauen uns an, welche Trends dort so laufen, wie es angenommen und präsentiert wird. Stete Impulse geben natürlich auch die Medien.
Wenn uns ein Produkt überzeugt und die Nachfrage generell im Trend liegt, nehmen wir es gerne auch mal testweise in einigen Märkten auf. Neue Produkte werden beispielsweise durch Sonderplatzierungen hervorgehoben. Letztlich entscheidet der Käufer aber selbst, welches Produkt er wählt und somit auch, wie die Nachfrage verläuft und ob diese stetig bleibt.

Woran scheitern ihrer Meinung nach Startups am häufigsten?
GK: Mangelnde Erfahrung, Schwächen in der Organisation und ein gewisses „Verzetteln“, also Verlust der Fähigkeit, sich auf das Wesentlichste zu konzentrieren. Zu dünnes Eigenkapital und die Verleitung durch den Anschein der Fülle eines Kredites zu hohe Kosten zu produzieren.

Was ist der entscheidende Faktor, damit ein Startup seinen Durchbruch schafft?
GK: Der Glaube an sich selbst und die Fähigkeit, seine Werte und seine Ziele nicht aus den Augen zu verlieren. Dabei die Kunst zu erweisen, sich selbst nicht zu verbiegen, zugleich aber einen gesunden Pragmatismus an den Tag zu legen.

Welche Tipps möchten Sie jungen Gründern/Startups mit auf den Weg geben?
GK: Ein gesundes Maß an Selbstreflexion und fähig bleiben, sich auch von anderen Akteuren reflektieren zu lassen. Als Youngster muss man noch viele Erfahrungen sammeln, nicht jeder wird als Profi geboren. Da ist es hilfreich, sich von vielen unterschiedlichen Seiten, auch bei komplexeren Entscheidungsprozessen beraten zu lassen. Auch eine gewisse, eher konservative Kaufmannsmentalität schadet nicht.

Vor welchen Herausforderungen stehen Gründerinnen und Gründer im Vergleich zu Projekten aus dem konventionellen Lebensmittelbereich?
GK: Im BioBereich geht es ganz stark um einen Wertekanon. Diese Alleinstellungsmerkmale herauszukristallisieren und zu kommunizeren, ist schon sehr wichtig. Gerade im Wettbewerb mit kapitalstarken Unternehmen können diese ganz wesentlich sein. Das kann man auch in GuerillaMaßnahmen transportieren, besonders wenn man kein kapitalstarkes Werbebudget hat.

Interview: Anne Hilbert & Jiro Nitsch

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